"Die Zukunft im Visier – ohne die Realitäten aus den Augen zu verlieren!"

von unserem Schirmherren,
Generalmajor Wolfgang Korte, Amtschef Heeresamt

Generalmajor W. Korte, Amtschef HeeresamtDas Heer ist ein Heer im Einsatz und zeitgleich ein Heer in der Transformation. Einsatz auf der einen Seite und Wandel auf der anderen Seite sind heute und sicherlich auch für die nächsten Jahre die bestimmenden Realitäten. Das ist unser Auftrag. Das ist das, was uns im Heer bewegt und dann und wann auch sicherlich in Atem hält.

2005 – sozusagen das "Jahr Eins der Transformation" – war geprägt von der Umsetzung der Entscheidungen des Inspekteurs des Heeres zur Struktur "Neues Heer". Den ersten großen Schritt zur Umsetzung machte das Heeresamt im Juli 2005 mit der Abgabe der Nachschubschule des Heeres und der Fernmeldeschule/Fachschule des Heeres für Elektrotechnik an den Organisationsbereich Streitkräftebasis.

Weitere Schritte folgten mit den Maßnahmen zur Vorbereitung der Ausbildung der Offizieranwärter des Heeres ab Sommer 2006 in den drei aufzustellenden Offizieranwärter-Bataillonen in Munster, Hammelburg und Idar-Oberstein.

Das Jahr 2005 war aber auch das Jahr des 50-jährigen Geburtstages unserer Streitkräfte. Unser Grundgesetz – und insbesondere der Artikel 1 – ist unser geistiges Koordinatensystem, die Grundsätze der Inneren Führung sind unsere Handlungsmaximen. Diese Grundsätze haben sich in der fünfzigjährigen Geschichte der Streitkräfte bestens bewährt und - auch davon bin ich fest überzeugt – behalten auch heute noch unverändert ihre große Bedeutung, gerade in den Einsätzen.

Die vor uns liegenden Aufgaben sind gewaltig: Innerhalb der nächsten Jahre werden wir die Anzahl der Divisionen von 8 auf 5, die der Brigaden von 22 auf 12 und die Anzahl der Verbände von 120 auf 78 zu reduzieren. Insgesamt sind 60 Kommandos, Stäbe und Verbände aufzulösen. Im Jahr 2010 wird das Heer dann 104.000 Soldaten stark sein.

Auch der Bereich der materiellen Ausstattung ist gewaltig in Bewegung geraten.

Der Infanterist der Zukunft (IdZ) ist mit ersten Systemen bereits ein "Infanterist der Gegenwart".

Die ersten Tiger nahmen am 06.04.05 den Flugbetrieb am D/F Heeresfliegerausbildungs-zentrum TIGER in Le Luc auf. Im Jahr 2006 wird die Auslieferung des ersten TIGER STEP 2 erwartet.

Die Aufklärungsfähigkeit des Heeres konnte durch die Einführung weiterer unbemannter Luftfahrzeuge (UAV) erheblich gesteigert werden. So habe ich im Oktober 2005 in Penzberg das erste Seriengerät von ALADIN (Abbildende luftgestützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich) für das Heer übernommen. Mit diesem System wird die Ausbildungs- und Durchhaltefähigkeit der Aufklärung im Nächstbereich für die laufenden Einsätze entscheidend verbessert.

Vor wenigen Tagen, am 28. November 2005, wurde das erste System KZO (Kleinfluggerät Zielortung), ein hochmodernes und leistungsfähiges luftgestütztes Aufklärungssystem für den Mittelbereich bis 70 km dem Heer übergeben.

Diese Verbesserungen sollten uns nicht über nach wie vor vorhandene Defizite hinwegtäuschen. Genauso wenig besteht aber Grund in "Sack und Asche" daher zukommen – das Heer ist heute weit besser für die aktuellen Anforderungen aufgestellt als noch vor wenigen Jahren. Sicher, vieles kann noch verbessert werden, ja, muss auch noch verbessert werden.

Manch anderes wäre zusätzlich wünschenswert, aber vertrauen Sie mir: Wir arbeiten mit ganzer Kraft daran, dass das Heer, dass die Soldatinnen und Soldaten – vor allem im Einsatz – alles bekommen, was menschenmöglich ist um ihren und unseren gemeinsamen Auftrag erfüllen zu können.

Wenn ich anfangs die 50-jährige Erfolgsgeschichte der Bundeswehr angesprochen habe, so ist eindeutig festzustellen, dass es auch die Erfolgsgeschichte unserer Reservisten ist. Sie haben seit Aufstellung der Bundeswehr wirklich Hervorragendes geleistet: Zur Sicherstellung der Verteidigungsfähigkeit unseres Landes, bei der Gestaltung der Deutschen Einheit, bei den Flutkatastrophen an Oder und Elbe ebenso, wie bei Einsätzen außerhalb Deutschlands.

Aktive Truppe und Reservisten bildeten eine unteilbare Einheit. Und das soll auch in Zukunft trotz aller Veränderungen so bleiben.

Ihnen allen darf ich für Ihr Engagement und Ihre Bereitschaft, sich aktiv an der Entwicklung unserer Streitkräfte zu beteiligen, danken. Bleiben Sie uns, bleiben Sie den Streitkräften weiterhin verbunden – wir brauchen Sie!

Ich wünsche allen Mitgliedern und Familienangehörigen der Reserveoffizierkameradschaft der Zivilen Führungskräfte einen guten Start mit Gottes Hilfe in ein erfolgreiches Jahr 2006.

Wolfgang Korte
Generalmajor

© 23.1.2005 ZiFkras