Kommando Operative Führung Eingreifkräfte in Dienst gestellt

7. Oktober 2005 - Das II. (GE/US) Korps wurde vom Generalinspekteur der Bundeswehr im Reduit der Wilhelmsburgkaserne in Ulm außer Dienst und das Kommando Operative Führung der Eingreifkräfte in Dienst gestellt.

In Ulm hat der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhahn, in der Wilhelmsburgkaserne das "Kommando Operative Führung Eingreifkräfte" mit einem feierlichen Appell in Dienst gestellt. Dem Führungskommando gehören rund 300 Soldaten und zivile Mitarbeiter ständig an.

Am Abend fand anlässlich des Jubiläums "50 Jahre Bundeswehr" ein Großer Zapfenstreich auf dem Ulmer Münsterplatz statt. Unser Kamerad Dr.Albert Ruff war für die ZiFkras beim Appell und beim Großen Zapfenstreich zu Gast.

Anlass für die Einrichtung eines deutschen "Kommandos Operative Führung Eingreifkräfte" (kurz KOFEK), war das Bestreben der Europäischen Union, sich selbst ein bis dahin nicht vorhandenes militärisches Instrument in die Hand zu geben. In Zeiten des Kalten Kriegs hatte die NATO mit Hilfe ihrer politischen Gremien west-östliche Konflikte bewältigt. Künftig, so haben die europäischen Politiker beschlossen, sollen Auslandseinsätze nicht nur von den Vereinten Nationen oder der NATO geführt werden können. Die Europäische Gemeinschaft behält sich vor, auch in eigener Regie Einsätze zu starten. Doch dazu braucht sie Stäbe, die diese Soldaten führen. In England und Frankreich sind bereits Soldaten auf solche Aufgaben vorbereitet. In Italien werden außerdem Soldaten dafür ausgebildet.

So wurde denn 1999 in Helsinki beschlossen, dass sich der alte Kontinent selbst die Fähigkeit zur militärischen Krisenbewältigung schaffe. Die EU-Mitgliedstaaten benannten Streitkräfte, die unter Führung Europas eingesetzt werden können. Hinzu kamen die entsprechenden Hauptquartiere, von denen bisher drei aufgestellt sind, je eins von Frankreich und Großbritannien und nun der Ulmer Führungsstab.

Im Einsatzfall wird das Kommando zum Force Headquarter (FHQ). Es ist dann dem in Potsdam stationierten Operations Head-Quarter (OHQ) unterstellt, das die militärstrategische Führungsebene Europas bildet. Während das OHQ auch im Krisenfall in Potsdam bleibt, wird das FHQ in die Krisenregion selbst verlegt. Dort werden ihm nationale oder auch fremde Truppenteile als Kampfgruppen mit einer Personalstärke von jeweils 1 500 Soldaten unterstellt.

Befehl über alle Truppenteile

Das in Ulm stationierte Kommando wird das erste in Deutschland sein, das EU-Einsätze leiten kann. Die Befehlsgewalt dieses Kommandos umfasst alle fünf Truppenteile. Die Befehlsgewalt würde sich nicht nur auf deutsche Soldaten begrenzen. Sondern auf die Soldaten aller Länder, die am gemeinsamen Einsatz beteiligt sind.

Von der Europäischen Union geführte Einsätze hat es bisher noch nicht gegeben. Immerhin bereitet die EU sich auch auf der ausführenden Ebene auf solche vor - nicht allein mit dem Eurokorps in Straßburg. Vom kommenden Jahr an werden auch jeweils 1.500 Mann starke sog. "Battle Groups" (Kampfgruppen) aufgestellt. Zur ersten Gruppe werden deutsche, finnische und holländische Soldaten gehören.

Südwestpresse Ulm, 7.10.05

© 10.10.2005 ZiFkras