Die ZiFkras in Israel:
150 Prozent Israel mit Militär und Kultur

Mit vielen positiven Eindrücken kamen 39 Kameraden von der Israelreise des „Freundeskreise der Bundeswehr – „Die ZiFkras““ zurück. Unter der sachkundigen Führung von Colonel ret. Ron Gilo, eines erfahrenen Panzersoldaten, absolvierten wir Ende Mai 2008 ein anspruchsvolles militärisches Programm. Daneben erlebten wir mit dem touristischen Programm unter der kundigen Führung unserer Reiseleiterin Anna Jarck zusätzlich eine „normale“ touristische Reise – so dass wir eigentlich in dieser Woche „150 Prozent Israel“ erlebt hatten. Anstrengend, aber höchst informativ!

Ausgegangen war die Initiative von unseren Kameraden Rüdiger Beilharz und Leopold Weil, die vom damaligen israelischen Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, nach Israel eingeladen wurden. Der israelische Militärattache Capt (N) Eyal Ben-Zion, der zu unserem Jahrestreffen 2007 nach Berchtesgaden gekommen war, erneuert die Einladung und bereitete unseren Besuch vor. Mit Unterstützung der deutsch-israelischen Gesellschaft und des Generals a.D. Ephraim Lapid wurde von Rüdiger Beilharz und Hubertus Sonneck ein anspruchsvolles Programm erarbeitet, verhandelt und durchgeführt. Und Manfred Müller hatte die nicht immer dankbare Aufgabe, die Finanzen im Blick und im Griff zu haben. Belohnt wurde er durch freiwillige Spenden sowie durch den spontanen Beitritt eines Gastes.

Bereits beim Einchecken in Frankfurt für den El-Al-Flug merkten wir, dass die Israelis ein anderes Sicherheitsbedürfnis haben als wir – die Befragungen und Sicherheitskontrollen sind zwar zeitraubend, vermitteln aber auch ein Gefühl professioneller Sicherheit. Ein Gefühl, das wir auch in Israel an jeder Stelle hatten.

Die ersten Eindrücke: Ein mediterranes Land, sehr europäisch – und sehr klein und verletzlich. Wie verletzlich, das sahen wir z.B. vom Aussichtspunkt Alfé Menashe nordöstlich von Tel Aviv: Von der Anhöhe aus hat man den ganzen Großraum Tel Aviv / Herzliyya im Blick. Zum Meer sind es 20 Kilometer Luftlinie – hier verlief die „grüne Linie“, die Grenzlinie vor 1967 zu Jordanien.

Beim Nahshon Bataillon

Beim Nahshon Bataillon ca. 15 Kilometer nördlich dieses Aussichtspunktes stellte uns 1st Lieutenant Noah Gliederung und Auftrag des Infanteriebataillons vor, das mit seinen Kompanien im Bereich der Stadt Tulkarm an der „grünen Linie“ zum Schutz der jüdischen Siedlungen und zur Terrorbekämpfung eingesetzt ist. An dieser Stelle war der Staat Israel bis 1967 besonders schmal und verwundbar: Vom inzwischen autonomen Palästinensergebiet um Tulkarm bis zur Stadt Netanya an der Küste sind es keine 20 Kilometer! In Netanya schlug im Jahr 2002 ein Selbstmordbomber zu, der im Park Hotel 30 Menschen tötete und 140 Menschen zum Teil schwer verletzte. Das Bataillon wurde 1999 aufgestellt und ist spezialisiert auf Terrorbekämpfung und Kampf im bebauten Gelände. Es gehört mit den Bataillonen Shimshon, Haruv, Duchifat, Lavi und Netzah Yehuda zu der 2005 aufgestellten Kfir-Brigade. 1st Lt. Noah stellte uns neben Fahrzeugen, Bewaffnung und Einsatzgrundsätzen des Bataillons an Fallbeispielen auch exemplarische Einsätze seiner Kompanie zur Suche und Verhaftung von Terroristen  vor.

Über den Golan: Merkavas und Feldbefestigungen

Auf der Fahrt über die Golanhochebene, die an der syrischen Grenze gerade einmal ca. 30 km Tiefe bietet, konnten sich (nicht nur) die Panzersoldaten unter uns einen Eindruck des Geländes verschaffen. Die Golan-Höhen sind, obwohl der Name dies vermuten lässt, keine Hügelkette, sondern eine wellige Hochebene mit vielen freien Flächen. Ideales Panzergelände –  und so konnten wir etliche Merkava Mk. III beim Üben und beim scharfen Schuss beobachten.

In der Nähe des Mt. Hermon, unweit der syrischen Grenzstadt Kuneitra, hatten wir von einer befestigten Kommandostellung einen hervorragenden Blick über das wellige Gelände. Im Yom-Kippur-Krieg waren die Syrer mit über 1400 Panzern in die Golanhöhen eingedrungen, den Israelis gelang es jedoch relativ bald, die Angreifer zurückzuschlagen. Von unserem Beobachtungspunkt inspizierten wir die Senke, in der im Oktober 1973 rund 700 syrische Panzer und Fahrzeuge von knapp 30 israelischen Kampfpanzern unter großen Opfern und mit bemerkenswerter Tapferkeit erfolgreich aufgehalten wurden. Die folgende Gegenoffensive führte zu einer Niederlage für die syrische Armee, die in wenigen Tagen  besiegt war und 870 Panzer sowie tausende Fahrzeuge und Geschütze zurücklassen musste. Einen der zerschossenen T-64-Panzer konnten wir dann auch an der Gedenkstätte besichtigen.

Latrun: Panzer, Diskussionen und Gedenken

Seit 1982 befindet sich in Latrun in der ehemaligen britischen und später jordanischen Polizeistation die Gedenkstätte der Panzertruppe Yad La'Shiryon. Im Panzermuseum werden mehr als 200 Panzer und andere Militärfahrzeuge ausgestellt – davon viele erbeutete Fahrzeuge, u.a. ein deutscher Panzer IV, der über die UdSSR nach Syrien kam. In Latrun empfing uns General a.D. Izhak Rabin und stellte uns u.a. den Kampfpanzer Merkava Mk. III vor. Nachdem wir zu Ehren der Gefallenen der israelischen Panzertruppe einen Kranz niedergelegt hatten, diskutierten wir gemeinsam mit General a.D. Ephraim Lapid und hohen Reserveoffizieren von Marine und Luftwaffe über aktuelle Probleme der israelischen Verteidigungspolitik und über die Lehren, die die israelische Armee IDF aus dem Libanon-Einsatz im Sommer 2006 gezogen hat. Der sog. Winograd-Bericht war u.a. zum Ergebnis gekommen, dass die politischen Ziele des Einsatzes nicht klar definiert waren und dass der Armee in den Jahren der „Polizeitätigkeit“ die Fähigkeit zum Kriegsführen abhanden gekommen war. Auch die Doktrin, die Luftwaffe die Arbeit machen zu lassen, um Verluste der Bodentruppen zu vermeiden, muss nach diesen Erfahrungen auf den Prüfstand. (Siehe auch: http://www.zifkras.de/ben-zion.html)

Doch nicht nur bei unseren militärischen, auch bei den „normalen“ touristischen Programmpunkten war das Thema „Sicherheit“ stets präsent. Egal, ob es Grenzzaun und Mauer zu den Palästinensergebieten, ob es Checkpoints an den Autobahnen und Feldbefestigungen auf dem Golan oder das allgegenwärtige Tragen von Waffen war. Dass bei Schulausflügen immer ein bewaffneter Begleiter dabei sein muss, dass auch 12-13jährige Mädchen das M4-Sturmgewehr tragen, dass auch im Hotel die Jugendgruppen von einem jungen Mann mit Karabiner begleitet werden  – daran hatten sich manche von uns bis zum Schluss nicht gewöhnt.

Heilige Stätten und mehr – Impressionen

Unter der kundigen Führung unserer Reiseleiterin Anna Jarck – die uns „nebenbei“ interessante Einblicke über Land und Leute, Sitten und Gebräuche vermittelte– besichtigten wir auch die touristischen Höhepunkte des Landes, die alle Epochen – von der Bronzezeit über Griechen und Römer bis zu Osmanen und Briten – umfassten. Hier einige Impressionen ohne Anspruch auf Vollzähligkeit:

Zwei Nächte verbrachten wir am See Genezareth im Hotel Ginosar Inn, einem Hotel- und Lodge-Komplex, der vom einem Kibbuz betrieben wird. In der Nähe des Hotels, am Nordufer des Sees Genezareth erstreckt sich der Felsen, auf dem Jesus die Bergpredigt gehalten haben soll. Unterhalb dieses Felsens, an den Ufern des Sees im Fischerdorf Kapernaum liegen die Fundamente des Hauses von Simon Petrus, über die eine Ufo-ähnliche Kirche auf Stelzen gebaut wurde.

In Quazrin, einer blitzsauberen und blühenden Siedlungsstadt auf dem Golan machten wir beim Besuch der Golan Heights Kellerei Bekanntschaft mit den sehr guten Weinen des Golan. Vulkanischer Boden, heiße Sommer und kalte Winter lassen Weine wachsen, die den internationalen Vergleich nicht scheuen brauchen.

Die Verkündigungskirche in Nazareth ist eine bemerkenswert eigenwillige Kirchenanlage. Das 1969 geweihte Gebäude ist in eine Ober- und Unterkirche gegliedert und wird von einer Kuppel gekrönt, die sich 57 Meter über der Verkündigungsgrotte wölbt.

Auf der Fahrt nach Jerusalem ging es durchs Jordantal entlang der Grenze zu Jordanien. Dort besichtigten wir die oströmisch-byzantinische Ruinenstadt Bet She’an, die im Altertum den Zugang zum fruchtbaren Israel-Tal sicherte und kontrollierte. Die Mauerreste der Stadt, die im 8. Jhd. von einem Erdbeben zerstört wurde, zeugen noch heute von der Größe und der Pracht dieser Stadt. Die Gegend zwischen Bet She’an und der Oase Jericho (unter palästinensischer Verwaltung) zeigte einen bemerkenswerten Kontrast: Die Trockenheit der bergigen Regenschattenwüste auf israelischer Seite (hier fallen weniger als 60mm Ragen im Jahr) vs. der Fruchtbarkeit im Jordantal mit seinen bewässerten Pflanzungen.

Von Jericho aus geht es dann durch die bergige Wüste entlang an Beduinensiedlungen hinauf nach Jerusalem, von wo aus wir in den nächsten Tagen aus mehrere Ausflüge machten - unter anderem in die unter palästinensischer Kontrolle stehende Stadt Bethlehem mit der Geburtskirche.

Wir besuchten Yad Vaschem – eine beeindruckende Anlage mit mehreren Einrichtungen zum Gedenken an die Verfolgung und Ermordung der Juden. In der Halle des Gedenkens legte Manfred Müller in unserm Namen weiße Rosen nieder, Leopold Weil rezitierte ergreifend das Kaddish, das jüdische Totengebet, das nicht etwas ein Trauergedicht ist, sondern eine Lobpreisung Gottes.

In Jerusalem besuchten wir nach einem Überblick über die Ostseite der Stadt die Kirche im Garten Gethsemane, einem Olivenhain an der Ostseite der Stadt. An der Klagemauer am Fuß der gewaltigen Plattform des Tempelberges hielten wir inne, bevor wir uns durch das Gewirr der Altstadt-Gassen entlang der Via dolorosa zur Grabeskirche schoben und schlängelten. Die Grabeskirche wird von sechs christlichen Kirchen verwaltet und ist deshalb eher ein Kirchenkomplex in verschiedenen Stilen, der neben dem Felsen von Golgatha auch das Grab Jesu, den Stein der letzten Ölung und den Platz der Kreuzauffindung überdacht. Die drängenden Besuchermassen wie auch das orthodox-orientalische Interieur ließen hier manchmal eher den Eindruck eines Basars aufkommen...

Bei knapp 40 Grad (zum Glück bei trockener Hitze) besichtigten wir Massada, die Felsenfestung des König Herodes, wo knapp 1000 Zeloten ein Jahr lang der Belagerung der Römer trotzten – und den kollektiven Selbstmord der Versklavung vorzogen. Die Belagerungsmauer der Römer wie auch die Reste der römischen Heerlager sind von der Höhe aus noch genau zu sehen, ebenso die künstlich aufgeschüttete Rampe, mit der die Römer schließlich einen Belagerungsturm an die Mauer brachten.

In Qumran, dem Fundort der inzwischen legendären Schriftrollen wurde unser Geschichtswissen etwas zurecht gerückt: Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass die Siedlung nicht etwa ein klösterlicher Ort der Kontemplation und der brüderlichen Einöde war, sondern ein profaner Handelsstützpunkt mit Geschirr-Töpferei. Trotzdem beeindruckend. Und beim Bad im Toten Meer konnten wir uns davon überzeugen, dass Salzlake auch schwere Jungs wirklich gut trägt.

Ehrenmedaille für Gen. Ephraim Lapid

Zum Abschluss unserer Reise gaben Janet und Maj.a.D. Zvi Amitai uns zu Ehren einen Coktailempfang in ihrem Haus in Mevasseret Zion, einem Vorort vor den Toren Jerusalems. Hier waren neben dem Bürgermeister der Stadt (der Partnerstadt von St. Augustin bei Bonn) viele andere Honoratioren geladen waren. Wir konnten nicht nur den Wein des Gastgebers kosten, der eine kleine Weinkellerei besitzt, sondern auch mit den geladenen israelischen Gästen interessante Gespräche führen.

Diese Gelegenheit nahmen wir auch wahr, um General a.D. Ephraim Lapid (links, zusammen mit Manfred Müller) die Ehrenmedaille unseres Freundeskreises zu übereichen – im Vorfeld wie auch bei der Durchführung der Reise hat Lapid uns sehr unterstützt. Wir werden Ephraim Lapid wieder sehen: Noch vor Ort erhielt er von engagierten ZiFkras Einladungen zu Vortragsveranstaltungen in Deutschland.

© Juni 2008, ZiFkras