
Sicherheitspolitisches Symposium 2006:
»Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Ist das wirklich so? Ist bei uns noch alles beim Alten? Hat die diffuse Angst vor dem Krummschwert einfach nur die Angst vor Hammer und Sichel abgelöst? Wie hat sich die Sicherheitslage Deutschlands geändert und wie hat sich die Bundeswehr geändert? Wie bedroht sind im Inland wir und im Ausland unsere Soldaten?
Die Angst vor dem Terrorismus ist weit in den Alltag der Menschen vorgedrungen. Das Thema Terror hat seit den Anschlägen vom 11. September 2001 massiv an Bedeutung gewon-nen. Geopolitisch hat es tiefe Spuren hinterlassen: Zunehmende und verschärfte Sicherheitsmaßnahmen, die Kriege in Afghanistan und im Irak einschließlich einer breiten Verweigerungsbewegung in großen Teilen Europas, die Unterhöhlung der Bindungen an die USA, deren dramatischer Imageverlust als moralische Supermacht, eine spürbare Polarisie-rung beim Thema Migration... Terror scheint zur Begründungsmacht Nr. 1 geworden zu sein, die durchsetzbar macht, was sich mancher Politiker vielleicht schon lange gewünscht hat.
Heute, fünf Jahre später, sehen wir aber auch, dass sich die nach 9/11 in wilden Szenarien beschworene Zeitenwende nur teilweise eingestellt hat. Im Alltagsleben der Menschen spielt Terror heute eher eine kleinere Rolle als noch vor 4 oder 5 Jahren. Die prognostizierten Auswirkungen auf bestimmte Märkte, z. B. die Tourismusindustrie, waren geringer als erwartet. Die damalige Börsenflaute hat sich mittlerweile zum Boom ausgewachsen. Die Ölpreise steigen eher wegen der erhöhten Nachfrage in den Schwellenländern als wegen der Terrorge-fahr.
Der Terror verliert an Bedrohung
Tatsächlich geht die Macht des Themas Terror zurück. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend:
Wie also könnte es mit dem Terror-Thema weitergehen? Eine naheliegende Hypothese ist, dass der Terror tatsächlich zum Lebens- und Alltagsrisiko wird, das jeder einzelne eben nur begrenzt beherrschen kann. Solcherart Normalisierung lässt in wichtigen Teilen der Bevölkerung allerdings den subjektiv wahrgenommenen Preis für weitere Einschränkungen im Alltag ansteigen.
Je stärker diese Einschränkungen individuell gespürt werden, desto stärker wird der Widerstand gegen sie. Dadurch sinkt die faktische Bedeutung des Themas insgesamt ab. Gleich-zeitig wächst das Interesse an pragmatischen, überschaubaren und weniger schmerzhaften Maßnahmen zur (echten oder auch nur vermeintlichen) Risikobegrenzung – was so manche Innovation beflügeln wird.
Das sind – zumindest in Europa – schlechte Aussichten für eine konfrontative bzw. demagogische Politik, die Opfer und "hohe Preise" (Kriegskosten, Kontrollkosten, Konsumeinschrän-kungen etc.) für mehr Sicherheit propagieren will. Denn diese Sicherheit wird von vielen entweder als überflüssig, als Scheinsicherheit oder als zu teuer erkauft empfunden. Politiker ebenso wie Unternehmen sind deshalb gut beraten, die Risiken des Terrorismus ebensowenig zu unter- wie zu überschätzen, das heißt, nicht zu übertreiben und nicht zu überhastet zu reagieren.
Vielleicht ist es gerade dieser Prozess der Normalisierung im Alltag, der sich noch als größter Feind des Terrorismus entpuppen wird. Schließlich zielt der Terror auf öffentliche Wirkung, in den islamischen Ländern ebenso wie im Westen. Diese öffentliche Wirkung aber ist durch Gewöhnung auf das Äußerste bedroht. Die propagandistischen Waffen des Terrors werden so von Jahr zu Jahr stumpfer, trotz vieler Opfer, die noch zu erwarten sind. Verhindern könnten diesen Effekt nur Massenvernichtungswaffen in den Händen von Terroristen oder eine Politik, die die Eskalationsspirale entschieden antreibt. Das jedoch, dass haben mehrere Wahlen gezeigt, kann die Politiker glatt das Amt kosten.
* Sinus Sociovision ist ein Trendforschungs-Institut mit Sitz in Heidelberg.
OTL i.G. Rainer Bürling, (NATO Hauptquartier, Internationaler Militärstab, Plans & Policy Division, NBC Policy Branch) [Foto links], sprach in seinem Vortrag über die von Nuklearmaterial ausgehenden Gefährdungen, die aus der Verbindung von Proliferation, Transnationaler Organisierter Kriminalität und Terrorismus resultieren können. Anhand von Risikobewertungsmodellen bewertete er folgende Optionen des terroristischen Einsatzes von nuklearen Waffen:
Ist für die erste und vierte Option das Risiko noch "gering", schätzt er das Risiko für Bastler-Bomben und vor allem für schmutzige Bomben als "mittel" ein.
Die schmutzige Bombe: machbar und effizient
Als "Dirty Bomb" oder auch als "Schmutzige Bombe" wird eine mit radioaktivem Material versehene, konventionelle Bombe bezeichnet.. Die "Dirty Bomb" ist nur eine von mehreren Aus-breitungsmethoden für radioaktives Material. Eine Bombenexplosion ist nämlich eigentlich nicht zwingend erforderlich. Unter Experten wird denn auch allgemeiner von einer "Radiologi-schen Dispersionsvorrichtung" oder "Radiological Dispersion Device (RDD)", teilweise auch von einer "Unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung (USVB) mit radioaktiver Beila-dung" gesprochen.
Bei der Explosion wird zusätzlich zur Explosionswirkung radioaktives Material freigesetzt und damit eine Kontamination der Umgebung bewirkt. Die Möglichkeit eines Terrorangriffes mit einer solchen "Dirty Bomb" wird in der jüngsten Zeit in Expertenkreisen intensiv diskutiert. An-laß hierfür sind Vorfälle wie beispielsweise die Sicherstellung von zwei Behältern durch die Polizei der georgischen Hauptstadt Tiflis im Mai 2003. Die Behälter enthielten ein radioaktives Gemisch aus Cäsium und Strontium, insgesamt deutlich über 100 kg. Das Material war ver-mutlich für den illegalen Weiterverkauf über die türkische Grenze bestimmt. Kurze Zeit später wurde in der thailändischen Hauptstadt Bangkok ein Versuch des Schwarzhandels mit 30 kg Cäsium vereitelt.
Nach Zusammensetzung und Menge wären die sichergestellten Materialien zum Bau einer "Dirty Bomb" geeignet gewesen. Die Häufung derartiger Vorfälle und Entdeckungen in Ver-bindung mit den dazugehörigen Medienberichten, insbesondere im angelsächsischen Raum, haben das Thema auch an eine breitere Öffentlichkeit gebracht. Dabei besteht weder begriff-liche Klarheit noch Übereinstimmung in der Einschätzung der Wahrscheinlichkeit eines An-schlages und den zu erwartenden Auswirkungen.
Die tatsächlichen Folgen eines Anschlages mit einer "Dirty Bomb" hängen von sehr vielen Parametern ab: von Strahlungsart, -intensität und -dauer, von Art und Menge des eingesetz-ten Materials, von der Menge des eingesetzten Sprengstoffs, von den meteorologischen Verhältnissen und von vielem anderen mehr. Die Spannweite der möglichen Auswirkungen ist deshalb sehr groß.
Hohe Strahlungsintensitäten verbunden mit nuklearen Verfallszeiten von Jahren und Jahrzehnten, wie sie beispielsweise für die Metalle Kobalt 60 und die Cäsiumisotope 134 und 137 typisch sind, können ein Gebiet auf absehbare Zeit erheblich verseuchen, in Extremfällen dauerhaft unbewohnbar machen. Kobalt und Cäsium, die zu zivilen (medizinischen, techni-schen) Zwecken genutzt werden, aber auch andere radioaktive Elemente wie Jod 131 und Strontium 89 und 90 lagern sich in der Schilddrüse und in der Lunge ab, wo sie zu einer Dau-erbelastung mit erheblichem Krebsrisiko führen.
Weitere Einflußfaktoren für die Wirkung einer "Dirty Bomb" sind die Bevölkerungsdichte in der Umgebung, die Tageszeit, die jeweils herrschenden Witterungsbedingungen wie Regen, Windrichtung und Windstärke. Der von einer Bombe aufgewirbelte radioaktive Staub würde in Windrichtung verteilt, vom Regen verstärkt ausgewaschen und bliebe lange an Gebäuden und auf den Straßen haften. Umgekehrt würde eine Verteilung der radioaktiven Staubwolke über ein weites Gebiet die lokale Kontamination senken. Einige der radioaktiven Substanzen verbinden sich chemisch mit herkömmlichen Baumaterialien wie Beton, Glas und Asphalt, was die Reinigung von Straßen und Gebäuden nach einem Terroranschlag erheblich er-schwert. Das Einatmen des aufgewirbelten Staubs und Aerosols birgt wegen der damit ver-bundenen deutlich erhöhten Krebsgefahr das relativ größte Risiko für die Bevölkerung.
Das Ende des Gewaltmonopols?
Es waren die Nationalstaaten selbst, die erst das Phänomen des Terrorismus generiert ha-ben und dessen Ursprünge auf die Schreckensherrschaft von Robespierre zurückgehen. Und es waren die Nationalstaaten, die erst mit ihren enormen Rüstungsprogrammen ABC-Waffen zur Einsatzbereitschaft als Massenvernichtungswaffen gebracht haben, um sich gegenseitig zu bedrohen oder in Schach zu halten. Es sind nun genau diese Nationalstaaten, die sich heute durch das im Zugriff nicht-staatlicher Akteure liegende Potential dieser Waffen bedroht fühlen, es aber gleichzeitig nicht selbst wirksam in Form von Abschreckung oder tatsächli-chem Einsatz zur Wirkung bringen können.
Der zweite Aspekt ist, daß das Wissen und die erforderliche Technologie zur Herstellung und zum Einsatz solcher Waffen und Gefahrenstoffe irreversibel sind und einem weltweiten, un-kontrollierbaren Zugriff unterliegen. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht im Internet o-der in anderen Veröffentlichungen ein neuer Beitrag auftaucht, in dem Informationen enthalten sind, die sich auch zur Erweiterung entsprechender terroristischer Einsatzoptionen mit eben solchen ABC Waffen verwenden ließen. Inwieweit die transnationale organisierte Kriminalität in diesem diffusen Risikobild in einem Atemzug mit Terrorismus und Proliferation von Massenvernichtungswaffen genannt werden sollte, ist in der Fachdiskussion heute noch umstritten.
Eine hervorgehobene Rolle spielt im Führungsgrundgebiet 2 seit jeher das, was oft mit dem Schlagwort "Feindlage" umrissen wird, also die Analyse und Bewertung von (Streit-)Kräften, die der Bundesrepublik in aggressiver Weise gegenüberstehen. Dieses "Stehen" war für Jahrzehnte wörtlich zu nehmen: In der bipolaren Welt des Kalten Krieges standen sich die beiden militärischen Blöcke Nato und Warschauer Pakt statisch gegenüber. Dementsprechend eingeschnürt operierten auch die Verantwortlichen des Führungsgrundgebietes 2. Die dramatische Veränderung der internationalen Bedrohungslage musste sich insbesondere auf das Militärische Nachrichtenwesen auswirken, da es dieser Bereich der Streitkräfte ist, dem die Beobachtung und Bewertung all dieser Veränderungen und den damit einhergehenden Implikationen obliegt.
Dabei wird insbesondere der Ressource "Information" eine immer größere Bedeutung zugemessen,. Es wird postuliert, dass durch entsprechendes Informations-Management und In-formationsüberlegenheit der in konkreten Situationen erforderliche Kräfteansatz vergleichsweise gering gehalten werden kann (Stichwort: "Move information, not people").
Ein Kernelement des Transformationsprozesses ist die Befähigung zur vernetzten Operationsführung (NetOpFü). Durch eine streitkräftegemeinsame Vernetzung von Sensoren, Ope-rationszentralen und Effektoren soll eine Informationsüberlegenheit erreicht und in Führungs- und schließlich in Wirkungsüberlegenheit umgesetzt werden. Die Streitkräfte gewinnen da-durch ein erhöhtes Operationstempo, eine größere Schlagkraft sowie eine verbesserte Überlebensfähigkeit – so die Vision der Planer.
Es sei deutlich herausgestellt, dass die Idee von NetOpFü nicht darin liegt, dass fortan jeder mit jedem Daten austauschen muss. Ziel ist es vielmehr, dass jeder prinzipiell mit jedem ver-netzt ist, damit sich die tatsächlichen Kommunikationsbeziehungen dynamisch während der Operation entwickeln, d.h. bei Bedarf entstehen bzw. wieder verschwinden. Angestrebt wird eine dynamische, reaktive Struktur, um eine maximale Flexibilität und Anpassungsfähigkeit auf die tatsächlichen Gegebenheiten gewährleisten.
Informationen in der richtigen Qualität zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Dahinter verbirgt sich die (theoretisch) einfache Zielvorstellung, die Informationen in der richtigen Qualität zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar zu haben. Kern der zukünftigen Kommunikationsarchitektur ist ein allumfassender Informationsraum, realisiert in Form des sogenannten Global Information Grid (GIG), zu dem jeder Zugriff hat. Ziel der Kommunikati-ons-Architektur ist es, dass jeder Nutzer Informationen im GIG für andere bereitstellen kann ("posten"), ohne die einzelnen Empfänger vorher zu kennen bzw. sich darüber Gedanken machen zu müssen. Damit dies effizient funktioniert, müssen die Daten so abgelegt werden, dass sie auch leicht wieder "auffindbar" sind. Denkbar ist hier die Vorgabe, jede Nachricht mit entsprechenden Metadaten, d.h. Schlüsselwörtern, anzureichern. Der potentielle Nutzer kann dann, unterstützt durch intelligente Suchmaschinen, nach den für ihn derzeit interessanten Informationen suchen ("pullen"). Im weitesten Sinne entspricht dies dem normalen Vorgehen bei der Informationsversorgung aus dem Internet (z.B. über Google o.ä.). Nach über fünfzehn Jahren WorldWideWeb entdeckt auch das Militär die Internettechnologie.
Selbstorganisation statt Auftragstaktik
Sicherlich wird durch die Auftragstaktik gegenüber der Befehlstaktik ein größeres Maß an Verantwortung auf die untergeordneten Ebenen übertragen. Doch auch die Auftragstaktik ist eng mit einer hierarchischen Organisationsform verbunden. Auf jeder Ebene werden Aufträge in entsprechende Unteraufträge aufgeteilt und an die untergeordneten Elemente weitergege-ben. Die Verantwortung für die Art der Auftragserfüllung (das "wie") wird nach unten übertragen, das "was" und "wer" wird von oben angeordnet und abgegrenzt.
Selbstsynchronisation zielt nun im wesentlichen auf eine Aufweichung dieser Vorgaben. Durch das gemeinsame Lagebild wird das Argument des beschränkten Überblicks unterge-ordneter Ebenen hinfällig, so dass genau derjenige den Auftrag übernehmen soll, der aktuell am besten dazu in der Lage ist. Stichwort: Führen durch Kompetenz, nicht durch Position; "Tue, was Sinn macht" statt "Tue, was befohlen wird").
Dies erfordert von jedem Einzelnen eine deutlich gesteigertes Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative. Das oben beschriebene "Pull"-Prinzip schließt somit neben der reinen In-formationsbeschaffung auch die Selbstversorgung mit Aufträgen ein.
Ziel ist es, eine möglichst optimale Aufteilung der "Arbeit" zu erreichen und zugleich erheblich reaktionsschneller zu werden, da keine Hierarchiestufen durchlaufen werden müssen. Im I-dealfall verbleibt der oberen Führung im wesentlichen, für erfolgsbegünstigende Rahmenbe-dingungen zu sorgen und eine Absicht mit zugehörigen Zielen und Schwerpunkten zu verbreiten (Commanders Intent).
Die Aufgabe der Kontrolle entfällt weitgehend, da dies eine inhärente Eigenschaft des Systems darstellt. Durch das gemeinsame Lagebild kontrollieren sich alle Beteiligten ständig wechselseitig und "konvergieren" so automatisch zur richtigen Lösung. Lediglich in Ausnah-mesituationen, d.h. wenn "die Sache aus dem Ruder läuft", sind durch die Führung entsprechende Maßnahmen zu treffen.
Schwarmverhalten statt Befehl und Gehorsam
Und genau das ist es, was Al-Quaida so erfolgreich und unkontrollierbar macht: Es gibt keine Befehlsstränge, es gibt keine Hierarchien. Zwar gibt es Autoritäten, die die allgemeine Linie vorgeben, auch werden mögliche Ziele vorgeschlagen, doch ist das weniger als Befehl als als Aufforderung zum Handeln "vor Ort" zu verstehen. Informationen über Anschlagsziele und über Techniken und Technologien des Terrors werden im Internet verbreitet, jeder kann dar-auf zugreifen. Und jeder, der sich dazu berufen fühlt, kann sich diesem virtuellen Netzwerk anschließen. Die Kämpfer versorgen sich selbst mit Aufträgen. Die Kontrolle der Aktionen er-folgt durch die Gruppe: Es ist nicht Befehl und Gehorsam, sondern Kontrolle durch die Grup-pe – ein Schwarmverhalten – , das die einzelnen Akteure "auf Linie" hält.
Al-Quaida praktiziert NetOpFü auf islamisch. Dabei nutzen sie allgemein zugängliche und weitestgehend kostenlose Kommunikationstechnologien. Hinter der mitelalterlich anmutenden Ideologie steckt modernstes Kommunikations- und Führungsverhalten! Provizierend ausgedrückt: Al-Quaida ist da, wo die Bundeswehr mit Millionenaufwand noch hin will.
© 19.5.2006 ZiFkras
Die Bedrohung durch den islamistischen Terror und die Folgen für die Bundeswehr
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei
Die Völker aufeinanderschlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus
Und segnet Fried und Friedenszeiten.«
»Herr Nachbar, ja! so laß ichs auch geschehn;
Sie mögen sich die Köpfe spalten,
Mag alles durcheinandergehn;
Doch nur zu Hause bleibts beim alten!«
Aus Goethes FaustTerrorismus – na und? Erkenntnisse aus dem "Futures"-Programm von Sinus Sociovision*
"Natürlich bringt es weniger Spaß, Ferien zu machen, wenn die blutigen Fußspuren noch zu sehen sind. Aber müssen wir deshalb unsere Planung ändern? So etwas kann einem inzwi-schen überall zustoßen."
(ein Schweizer Urlauber in Dahab, nach dem blutigen Anschlag mit über 20 Toten und Dut-zenden Verletzten, zitiert aus Süddeutsche Zeitung, Nr. 96/2006, Seite 3)
Die neue Al-Quaida: Terror ohne Grenzen
Einer der Referenten unseres Sicherheitspolitischen Symposiums im Offizierkasino des Flie-gerhorstes Köln-Wahn war Rolf Tophoven, Leiter des Instituts für Terrorismusforschung & Sicherheitspolitik, Essen. (Foto) Er stellte die "neue" Al-Qaida vor: Terror ohne Grenzen. Aus einem hierarchisch organisierten Gebilde wurde ein sich selbst organisierendes Netzwerk, das die modernen Kommunikationstechnologien wie das Internet meisterhaft nutzt.
Durch die Zerstörung der Trainingscamps in Afghanistan wurden die früheren, hierarchischen Strukturen aufgelöst. Die alte Al-Qaida existiert heute so nicht mehr. Al-Qaida ist heute keine Organisation mehr sondern eine Idee.
Weltweit existiert ein Netzwerk von Netzwerken. Bin Ladens Botschaft vom Dschihad ist das vorgegebene Credo und wurde von militanten Islamisten verinnerlicht. Audio- und Videota-pes, besonders von seinem ideologischen Ziehvater Ayman el-Zawahiri, dienen der Propa-ganda und der Motivation der Kämpfer für den Dschihad ("heiliger Krieg").
Historisch gesehen gibt es mittlerweile drei Generationen von militanten Islamisten: die erste Generation sind Veteranen ("Mudschahedin") des Afghanistan-Krieges gegen die ehemalige Sowjetunion 1979-1989. Die zweite Generatio sind 20.000-30.000 Männer aus der gesamten arabisch /muslimischen Welt, die in den 1990-er Jahren am Hindukusch in Afghanistan in den Trainingscamps der al-Qaida gedrillt wurden. Die dritte Generation sind keine Afghanistan-Kämpfer, sie sind nicht in den Terrorcamps der al-Qaida ausgebildet. Sie sind mitten unter uns. Sie kommen zum Teil aus den europäischen Immigrantenzirkeln, aus den arabisch-muslimischen Gemeinden.
Das Täterprofil ist anonym – es ist ein Terror ohne Gesicht!! Die Täter sind geprägt vom Hass auf den Westen; vom Hass auf unsere Werte. Es sind häufig junge Leute z.B. aus Nordafrika mit "gefühlter Machtlosigkeit", perspektivlos, arbeitslos, ausgegrenzt. Es sind aber auch so genannte "well educated people", die nach einem "religiösen Erweckungserlebnis" zur Bom-be greifen, zu Selbstmördern werden.
Das Internet ist ein virtueller Selbstbedienungsladen der Dschihadisten. Hier wird rekrutiert; werden Finanzströme aufgebaut. Es werden Bombenanleitungen gegeben. Es ist auch Platt-form für Propaganda und terroristisches Marketing.
Der Terror nutzt globale Vernetzung, der Irak-Krieg fungiert nach wie vor als "Brandbeschleuniger" des Terrors.
Anschläge sind, wie Madrid und London gezeigt haben, jederzeit möglich.
Nuklearterrorismus: Fiktion oder reale Bedrohung?
Die terroristische Drohung mit Massenvernichtungswaffen zählt zu den ernstesten Herausfor-derungen, denen sich der demokratische Staat gegenüber sieht. Dennoch gibt es kaum ein anderes sicherheitspolitisches Phänomen, bei dem die Einschätzungen der Experten so weit auseinander klaffen.
Unterstützt durch fundierte wissenschaftliche und politische Hintergrundinformationen zeich-nete er ein nicht gerade optimistisches Bild der Zukunft: Das Gewaltmonopol und damit die Handlungsfähigkeit des demokratischen Staates sind in Frage gestellt, wenn terroristische Gruppen in den Besitz von Massenvernichtungswaffen kommen. Und das Risiko dafür steigt.NetOpFü: Al-Quaida praktiziert sie schon
ZiFkras-Vorsitzender Wolfgang Schmid [Foto links] vertrat in seinem Vortrag über die Weiterentwicklung des militärischen Nachrichtenwesens eine provozierendeThese: Al-Qaida ist schon dort, wo die Bundeswehr noch hin will.