Jahrestreffen 2007 mit dem israelischen Militärattaché

Die israelische Armee (Israel Defence Forces IDF) war für den Einsatz im Libanon 2006 nicht bereit. Auf dem Jahrestreffen 2007 der ZiFkras bei der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall beschrieb Capt (N) Eyal Ben-Zion, der israelische Verteidigungs- und streitkräfteaattaché, die Lektionen, die die IDF aus díesem Einsatz gelernt hatte.

Nach einer Einführung über die geographischen und strategischen Hintergründe ging Ben Zion in seinem zweistündigen Referat auf die aktuellen Entwicklungen der israelischen Sicherheitspolitik ein. Breiten Raum nahmen hier die Terroraktionen aus dem Gazastreifen und an der Nordgrenze sowie der Libanon-Einsatz der IDF im Sommer 2006 ein.

"Sie haben vom Vietcong gelernt"; so Ben-Zions Einschätzung der Hisbollah – ein nicht gerade Mut machender Vergleich. Die Hisbollah ist keine Terror-Gruppe mehr – sie ist eine Armee mit zum Teil gekaderten Verbänden, ausgerüstet mit moderner Technik, sie setzt zunehmend mobile Raketenwerfer aus vermutlich iranischen Arsenalen ein und verfügt im Grenzgebiet über ein weites Netz von zum Teil miteinander verbundenen Unterständen.

Die modernere Waffentechnik sowie die Wahl der Abschussorte zum Teil aus Siedlungen heraus machte es für die IDF nicht einfacher. In der Bekämpfung der mobilen Abschusseinrichtungen hat die vernetzte Operationsführung – vor allem der schnelle und gleichzeitige Zugriff auf die Aufklärungsdaten – dafür gesorgt, dass aufgeklärte Raketenstellungen der Hisbollah in kürzester Zeit bekämpft werden konnten. Der Einsatz von Drohnen (UAV unmanned aerial vehicles) hatte sich hier für die Aufklärung bewährt. Doch der Abstand der Asymmetrie verringert sich: Denn auch auf der Gegenseite kamen GPS-gelenkte Kampfdrohnen zum Einsatz. Zwar konnte die israelische Luftabwehr diese abschießen – dieser Technologiesprung verheißt aber nichts Gutes.

Der Iran polarisiert die arabische Welt

Hauptsponsor und Technologielieferant der Hisbollah ist wohl der Iran, der durch seine unberechenbare Politik zu einer vorsichtigen politischen Annäherung der gemäßigten arabischen Staaten an Israel geführt hat. Der Iran polarisiert die arabische Welt genauso wie den Westen. Doch den Iran als regionale Macht kann man nicht isolieren – man kommt an ihm diplomatisch nicht vorbei. Die jetzt aufgenommenen Gespräche der USA mit dem Iran zeigen, worauf es dem Iran auch ankommt: Auf Augenhöhe sein mit dem Westen und von den Amerikanern als Gesprächspartner ernst genommen zu werden.

Libanon: gelernte Lektionen

In seinem Vortrag ging Ben-Zion auch auf die Zwischenergebnisse der sog. Winograd-Kommission ein, die der politischen und militärischen Führung des Libanon-Einsatzes kein gutes Zeugnis ausstellte. Offen sprach er auch die Lektionen an, die die IDF aus diesem Einsatz gelernt hat. Denn auch in diesem Einsatz bewahrheitete sich die alte Regel, dass ein Gefecht am Boden gewonnen wird. Das Kalkül, durch Luftschläge die eigenen Verluste gering zu halten, ging nicht auf, denn für den Einsatz am Boden war die IDF schlecht vorbereitet..

Hintergrund: Der Winograd-Bericht

Die Winograd-Kommission, die die Fehler der politischen und militärischen Führung im Libanon-Einsatz vom Sommer 2006 untersuchte, hat im Mai 2007 die Protokolle der Einvernahmen von Ministerpräsident Olmert, Verteidigungsminister Peretz und Generalstabschef Halutz über das Internet veröffentlicht. Die Minister wiesen den Grossteil der Schuld an dem schlechten Verlauf des Krieges der Armee zu, während der Generalstabschef die Politiker der Unentschlossenheit bezichtigte.

Wesentlich für die Zukunft dürfte die Einschätzung im Schlussteil des Berichts sein: "Israels Streitkräfte waren für diesen Krieg nicht bereit." Einer der Gründe dafür sei, dass Teile der politischen und militärischen Eliten Israels zur Schlussfolgerung gekommen seien, Israel habe das Zeitalter der Kriege hinter sich. Es habe genug militärische Stärke und Überlegenheit, um andere davon abzuschrecken, Israel den Krieg zu erklären. Da Israel nicht beabsichtigte, einen Krieg zu beginnen, kam man zu dem Schluss, dass die eigentliche Herausforderung für die Landstreitkräfte asymmetrische Konflikte mit geringer Intensität seien. Unter diesen Voraussetzungen sei die Notwendigkeit nicht mehr gesehen worden, die Bereitschaft für einen "echten" Krieg aufrecht zu erhalten und Israels umfassende Sicherheitsstrategie kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Wolfgang Schmid

© Mai 2007 ZiFkras