ZiFkras unterwegs: Impressionen aus Altenstadt

21. September 2005 - Die Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt präsentierte den ZiFkras ihre Leistungsfähigkeit. Bei bestem Springerwetter konnten wir exklusiv die Generalprobe der Lehrübung JOINT ANSWER mit verfolgen. Unser Kamerad Dr. Albert Ruff machte Fotos.

Begrüßt wurden wir vom Kommandeur der Schule, Oberst Hösle (Foto), der uns dann an Hptm Jordan, den (nebenamtlichen) Presseoffizier, und OLt Krause, S6, zur weiteren Betreuung übergab. Ein erstes Briefing führte uns ein in die Umgebung der Garnison Neustadt und die Schule selbst.

Altenstadt, ein Nachbarort von Schongau, liegt im Grenzbereich zwischen Altbayern und Schwaben an der Via Claudia Augusta, der einstigen römischen Heer- und Handelsstraße von Donauwörth über die Alpen nach Oberitalien. Heute ist der Pfaffenwinkel reich an kunsthistorischen Highlights, von denen z.B. die Wieskirche eine ganz besondere Bedeutung hat.

Die Garnison wurde 1937 mit dem Bau der Flakartillerieschule IV begründet. 1956 wurde dann von der Bundeswehr die Luftlande- und Lufttransportschule errichtet, deren Kaserne 1993 ihren heutigen Namen, Franz-Josef-Strauß-Kaserne, erhielt. Die Schule ist die zentrale Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr für

  • das Luftlande- und Lufttransportwesen,
  • die Fallschirmsprungausbildung und
  • die Überlebensausbildung unter verschiedenen Bedingungen.

    Darüber hinaus erhalten die Offiziere und Unteroffiziere der Fallschirmjägertruppe hier ihre luftlandespezifische Ausbildung. Die LL/LTS entwickelt Konzeptionen für die Fallschirmjägertruppe und - teilstreitkraftübergreifend - für den gesamten Lufttransport. Der Kommandeur ist gleichzeitig der Beauftragte für den Lufttransport im Heer.


    Nach diesem Briefing stand die Fallschirmsprungausbildung auf dem "Dienstplan". Auf dem Weg dorthin kamen wir vorbei an der Sportfördergruppe, die unermüdlich Punktlandung trainierte. Kaum waren die Springer am Boden, kletterten sie schon wieder in die zwischenzeitlich gelandete Cessna und es ging zum nächsten Sprung. Die Cessna ist übrigens von einem privaten Unternehmen gechartert, weil das deutlich billiger ist als eine eigene Maschine.

    Die Fallschirmsprungausbildung "Truppenfallschirm mit automatischer Auslösung" findet zunächst am Boden statt. Hier wird drillmäßig der Umgang mit dem Fallschirmsystem T10/T10R, der Absprung, das Verhalten am geöffneten Schirm während der Sinkphase, der Landefall sowie das Verhalten in Notsituationen geübt, und das Ganze jeweils auch mit Gepäck und Waffe. Nach der Landefallprüfung wird der Soldat zum "echten" Sprung zugelassen. Zur Erlangung des Fallschirmspringerabzeichens sind fünf Sprünge zu absolvieren, davon je einer bei Nacht und mit 25 kg Gepäck.

    "En passant" konnten wir auch einen Blick werfen in den Rumpf einer Transall, in welchem das Verladen von schweren Lasten geübt wurde. Die LL/LTS ist der zentrale Träger der Ausbildung im Bereich Lufttransport. Neben den rechtlichen Vorgaben und den technischen Rahmenbedingungen der Transportflugzeuge wird auch das Herstellen lufttransportfähiger Gebinde, die Kennzeichnung der Lasten, die Schwerpunktberechnung für das Beladen und natürlich auch das Absetzen von Personal und Material mittels verschiedener Verfahren gelehrt und geübt.


    Nach dem Sprung muss der Fallschirm wieder gepackt werden. Dies geschieht in der Packhalle an langen Tischen. Wir konnten uns davon überzeugen, dass diese verantwortungsvolle Arbeit sehr sorgfältig durchgeführt wird. In die hier gepackten Schirme kann man wirklich Vertrauen haben. Packer wird nur ein ausgebildeter Springer; außerdem muss jeder Packer in zufälligen Abständen mit seinem eigenen Schirm auch selber springen. Uns wurde gesagt, dass - zumindest in Altenstadt - noch nie ein Unfall auf einen Packfehler zurück geführt werden musste. Überhaupt nimmt die LL/LTS, was die Sicherheit betrifft, eine Spitzenstellung ein.

    Am Absetzplatz stand der Höhepunkt des Besuchs an: An den beiden folgenden Tagen besuchten die Generalstabslehrgänge die Schule. Für diese wurde die Lehrübung JOINT ANSWER vorbereitet. Wir konnten die Generalprobe exklusiv mit verfolgen.


    Eingebettet in eine kleine Lage wurde zunächst die Landung eines Fallschirmzugs im Vorauskräfteeinsatz gezeigt. Dieser Zug sprang in weiter Entfernung vom Zielgebiet (ca. 20 km) in großer Höhe mit Gleitfallschirmen ab und konnte so völlig lautlos und überraschend das Einsatzgebiet erreichen. Zur Not hätte man im Tandemsprung auch nicht ausgebildete Spezialkräfte (Ärzte, Feuerwerker u.s.w.) in das Einsatzgebiet bringen können.


    Nach Vorbereitung durch zwei angeforderte Lw-Phantom wurde eine Kompanie Fallschirmjäger mit dem Automatikschirm aus einer Transall abgesetzt. Es ist schon beeindruckend, wenn der Himmel plötzlich voller Fallschirme hängt.


    Der Nachschub für diese Kameraden kam dann als 2-Tonnen-Last aus einer Transall ebenfalls per Fallschirm.


    Abschließend wurde das Abseilen eines Trupps (mit Diensthund) aus dem Hubschrauber gezeigt. Die Leistungen, die wir bei dieser Lehrvorführung gesehen haben, konnten wirklich überzeugen.

    Nach der Lehrübung wurden wir von Oberst Hösle freundlich verabschiedet. Er schenkte uns ein Foto, auf welchem der Himmel voller Fallschirme ist. Wir revanchierten uns mit dem ZiFkras-Wappen.

    Bleibt nur noch, sich bei allen Beteiligten zu bedanken, bei Oberst Hösle für die Einladung, bei Hptm Jordan und OLt Krause für die hervorragende Betreuung und die sehr informative Führung, und last but not least bei unserem Hubertus Sonneck für die Organisation.

    Dr. Albert Ruff

    © 23.9.2005 ZiFkras