ZiFkras unterwegs: NATO-Seminar in Aachen, Mons und Waterloo

November 2005 - 28 Kameraden haben Ende November am NATO-Seminar in Aachen und Mons (Belgien) mit anschließender Besichtigung des Schlachtfeldes von Waterloo teilgenommen. Ich war als Gast eingeladen – und ich habe es nicht bereut!

Die Veranstaltung begann am Sonntag, den 27. November 2005 im Offiziercasino Gut Neuhaus mit einem militärhistorischen Frühschoppen. Oberstleutnant Wolfgang Krohn referierte zunächst über „Die Technische Schule des Heere – Geschichte und Zukunft". Er ging insbesondere ein auf die Konflikte des 21. Jahrhunderts, die Bedrohung für uns und die Vorbereitung der Bundeswehr hierzu. Er gab einen Überblick über den Stand der umfangreichen Pläne sowie Neu-Organisationen der Bundeswehr und der Technischen Schule für die zukünftigen Aufgaben.

Nach einem kleinen Frühschoppen [Foto: im Gespräch: (v.l.) Dr. Ernst Striewski, GenLt aD Wolfgang Odendahl, OTL aD Hubertus Sonneck] bereitete Kamerad Wolfgang Schmid den Besuch des Schlachtfeldes vor mit dem Referat „Napoleonische Kriege und die Schlacht von Waterloo“. Sein Vortrag war übersichtlich und eingehend zugleich, angereichert durch umfangreiches Bildmaterial einschließlich Tabellen und Aufstellungen sowie einigen kleineren Film-Ausschnitten. Es bereitete mir eine große Freude, dass der ebenfalls anwesende frühere Leiter des Heeresamtes, Generalleutnant a.D. Odendahl, die Ausführungen von Kam. Schmid begeistert aufnahm und mit einigen kleineren Anmerkungen und Anekdoten ergänzte.

Der Nachmittag mit einer Stadtführung inclusive Dombesuch und Eierpunsch auf dem benachbarten Weihnachtsmarkt sowie der Abend bei einem festlichen Essen mit dem stellv. Schulkommandeur Oberst Diekmann dienten alten und neuen Kontakten.

Am Montag ging es im Bundeswehr-Bus nach Mons (Belgien) zum NATO-Hauptquartier SHAPE/ACO. Die Oberste i.G. Dördrechter [Foto], Müller und Jandrei sowie der Presseoffzier OTL Vosseler referierten und diskutierten mit uns zum Thema: „ACO (Allied Command Operations) today and the way ahead“. Wir erlebten zwei Stunden intensiver Darstellung der neuen NATO-Doktrin und der zugrunde liegenden politischen Vorgaben der NATO-Partner. Eine beeindruckende Vorstellung!

Die Einsätze finden immer unter schwierigen Bedingungen und über weite Entfernungen hinweg statt, dauern lange und finden meist wenig Abstützungsmöglichkeiten im Land selbst. In diesen Bereichen gibt es erheblichen Nachholbedarf in Bezug auf die Fähigkeiten der Allianz wie auch die der Mitgliedsstaaten, betonte O i.G. Dördrechter.

Sicherheitsrisiken liegen derzeit weniger im Bereich kollektiver Verteidigung, sondern bei Krisenbewältigung. Es geht allem die Vorbeugung bzw. Beherrschung von krisenhaften Entwicklungen und Konflikten, dafür planerische Vorarbeit zu leisten, ist u.a. Aufgabe von O i.G. Müller, der Verbindungsmann zum Allied Command Transformation in Norfolk ist.

Die Planung von NATO Response Forces (NRF) werden durch starke Inkompatibilitäten von Material, Doktrin und Ausbildungsstand beeinträchtigt, führte O i.G. Jandrei aus. Sie wird aber auch durch den Rückzug von Personal und Material beeinträchtigt, so im Fall der Niederlande für die NRF4 Anfang 2005. Man müsse sehen, dass sich alle Streitkräfte in einer Transformation befinden und gleichzeitig die Auslandseinsätze leisten müssen – und das bei starkem Druck auf die Militärbudgets.

Die Transformation wirkt sich auch auf die Organisation der NATO und ihre Kommandostruktur aus, erläuterte OLT Vosseler. Die Kommandostruktur ist verschlankt und die Zahl der Hauptquartiere verkleinert worden. Und den Hauptquartieren wurden neue Rollen zugemessen – deshalb jetzt auch die Doppelbezeichnung für SHAPE, Supreme Headquarters Allied Powers Europe und Allied Command Operations.

Nach einem opulenten belgischen Lunch machten wir uns auf nach Waterloo. Wer das Schlachtfeld von der Höhe des Löwen-Hügels [Foto] und das Diorama noch nicht gesehen hat, sollte bei Gelegenheit einen Besuch einplanen.

Voller Eindrücke kamen wir zurück. Die nicht teilnehmenden Kameraden haben etwas versäumt. Mein ganz herzlicher Dank geht an W. Schmid, der die Einladung an mich ausgesprochen hatte.

Dr. Ulrich Levering, Aachen

© 29.11.2005 ZiFkras